Besuch, Lesung

Ein paar Zeilen am Morgen, dann Kaffee und Ausfahrt, den Kollegen Gause abzuholen. Eine Wurst bei Kaufland, Knacker für den Abend, Berner Würstchen für den Morgen, deren Geruch trotz eiliger Lüftung noch den ganzen Tag in der guten Stube hängt, die Berner Würstchen, „die es manchmal auch kleiner gibt, in der Werbung“, wie uns die Verkäuferin wissen lässt – “aber es ist ja keine Werbung und daher gibt es auch keine kleinen Würstchen”. Am Abend liest Moritz von Uslar Deutschboden auf der Burg – er trägt mit einer angenehm rollenden Stimme vor und auch der Inhalt seiner Reportage, die mehr sein will als eine Reportage, löst angeregte Diskussionen aus. Danach in der Schmiede, das Schreibervolk fällt ein, die Karten klatschen (Schinkel), Telefone klingeln, wir essen, wir reden noch, wir verpassen die 13 und müssen nach Hause laufen. Wenn am nächsten Morgen nicht Gabi unserer harren würde, in der Küche, wir wüssten nicht weiter. Aber so gibt es Kaffee und alles drumherum und dann retten wir uns träge über den Tag hinweg, wollen ausgehen, bleiben kleben an Sesseln und Stühlen, trinken wieder Kaffee, versuchen in Fahrt zu kommen beim Schreiben, ich in der Stube, Gause in der Küche, ich über diesen Zeilen, er über der anspruchsvollen Form – Kriminalsonette, wenn ich nicht irre.

Am späten Nachmittag kippe ich endgültig vornüber, lande auf dem wunderbar wandelbaren Sofa (mit bequemer Schlaffläche) und als ich die Augen endlich wieder auftue, ist es zu spät für die Feuerwehr (ich wollte eigentlich zur Hauptversammlung). Gause liest und schreibt noch immer, ich blicke aus dem Fenster, der Nebel hängt dicht. Danach essen wir zu Abend und später noch ein Stückchen Schokolade und ein Gläschen Schnaps auf der Sofagarnitur, danach lastet schon wieder die bleierne Müdigkeit auf mir – es geht früh ins Bett.

Schlaftrunkener Blick in den Nebel

Schlaftrunkener Blick in den Nebel