Wasser, Wind

Wir saßen am Wasser, die Hände fest geschlossen um die Flaschenhälse, erzählten von damals, von heute. Ein Boot zog vorüber, zwei schmale Glatzköpfige stiegen in Unterhosen ins Wasser, gerade soweit, dass der Stoff trocken blieb an ihrer Haut. Gegenüber schoss einer mit dem Köderkatapult – gleich brachen die glänzenden Fischleiber tänzelnd aus dem Wasser.

Rundherum der Fichtenwald und hellgrün die Birken dazwischen, wucherndes Unkraut der Wälder.

Der nächste Tag treibt Regen vor sich her, treibt Wind zwischen die dragierten Erdnüsse auf dem Tisch.

Große Ausfahrt – 2. Teil

Nach einem kurzen Anstieg geht es stetig hinab zum Wasser, viele Autos parken hier, Badende in den Buchten – auch Partyvolk: dröhnend wummern die Bässe aus einem Wagen, der alle Türen von sich streckt. Wir rollen über den Asphalt, Hitze schlägt uns entgegen. Irgendwann erreichen wir die Staumauer, auf der es turbulent zugeht. Ein kleines Chaos bahnt sich an: Vorspiel zum Stausee in Flammen, einem Feuerwerksfest. Wir lassen den Tumult eilig hinter uns, wieder geht es hinauf, die Hitze ist jetzt am größten. Der Schweiß tropft von der Nasenspitze, ehe wir den Abzweig in Richtung Zeltplatz Alter erreicht haben und wieder rollen können. Die Badewiese ist voll, wir radeln weiter, baden in einer Bucht, neben dem ehemaligen Pumpenhaus. Hier wurde Wasser hinaufgepumpt, um die Felder auf den Höhen zu bewässern. Ein Projekt, das sich sozialistisch anhört und anfühlt – die Rohrleitungen sind inzwischen demontiert. Das Wasser ist sehr warm, später steht auf einmal ein Schäferhund am Ufer, einen gelben Ball im Maul. Wir lassen einander gewähren.

Wieder auf den Rädern geht es stetig hinauf, einem ausgewaschenen Pfad folgend. Zeichen der starken Frühjahrsregenfälle, Auswaschungen, Erdrutsche, sind noch überall zu sehen. Langsam kommt Erschöpfung auf, drohend umbrausen uns Insekten in den Schattenzonen des Waldes. Links und rechts des Weges finden wir Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren. Oben angekommen, entscheiden wir uns für eine Fahrt zum Mooshäuschen. Eine Schutzhütte – Bänke darin, Moos in den Wänden und kleine Köpfe – Siebenschläfer schauen uns an. Das von Bernd angebotene, ausgeschenkte Wasser wird, zumindest in unserer Anwesenheit, ignoriert. Die Tiere hängen träge aus ihren Schlupflöchern.

Danach zwei große Radler in Wilhelmsdorf, Abfahrt nach Ranis, letzte Ortskunde zu Straßen und Feldern. Bei Heroldshof stehen die großen Erntemaschinen dicht gedrängt und ruhen gerade, sie haben schon einen Streifen gemäht.

Ein Pils zum Abschluss bei Hubert, der, die Fliegenklatsche in der Hand, über einem Kreuzworträtsel sitzt. Ende des Tourentages, der Rest sind Ermattung, schwere Beine und Schlaf.

Vielen Dank nochmal an Bernd Weiße für die schöne Tour, die interessante Strecke und die guten Gespräche.

Große Ausfahrt – 1. Teil

Samstag fuhren wir mit den Rädern aus, Bernd und ich, er hatte mir eine solche Tour um den Stausee angeboten und ich schlug dankbar ein. Nach oben ging es gleich, wie das hier meistens so ist – durch Schmorda hindurch, später nach rechts, Richtung Gössitz. Ein glänzender Morgen, die Sonne über den reifenden Feldern, der weite Blick über das Land. Vom Bockfelsen aus die erste große Aussicht auf die Talsperre Hohenwarte. Diesem Ausblick sollten noch unzählige weitere folgen, stets noch größer, noch eindrucksvoller als zuvor. Der Blick: verwöhnt.

Hinab zum Ziegenhof, die Thüringer Wald Ziegen schauen uns neugierig durch das Gatter an, beim Melken stürmen sie den mit speziellem Futter versehenen Melkstand, wie man in Berlin einen Bus besteigt. Der Käse von Bernd kredenzt, später bei einer Rast, einem Waldfrühstück, verzehrt, mundet hervorragend. Wir fahren weiter zur Fähre, vorbei an der Linkenmühle, an der unsinnig gesprengten, bis heute nicht wieder aufgebauten Brücke; wir setzen über und radeln, schieben den steilen Berg hinauf. In Drognitz angekommen, fliegt mir der Strohhut vom Kopf. Es geht ein schöner, ganz angenehmer Wind, wir kehren ein der Flößergaststätte zum Wolf, Klöße und Sauerbraten, ein großes Radler – wunderbar.

Über die Landstraße, zwischen in der Hitze reifendem Korn, wir sehen Roggen, Brauereigerste, Weizen, an einem Wanderrastplatz mit Reckstangen vorbei (es bräuchte mehr solcher Übungsgeräte an Parkplätzen), nach Reitzengeschwenda – hier besuchen wir das Volkskundemuseum, dessen Museumsleiter umsichtig und mit Verve erklärt. Wir schauen uns die alte, schöne Dorfkirche an – in den dicken Mauern ist es angenehm kühl, achtzehn Grad. Danach eine Maschine, ein Sägegatter, zum Schneiden von Brettern, die Sägemühle bis 1990 noch in Betrieb, ein technisches Denkmal. Mancher Sägemeister war hier vormittags und nachmittags auch Busfahrer, erfahren wir. Hinter dem Museum steht eine große Scheune, darin allerlei Landmaschinen und auch Bienen. Im Hof ein großer Walnussbaum, die Blätter angenehm duftend, ätherische Öle darin, den Insekten zum Gram. Im Museum selbst, Geschichte, land- und naturkundliches, die hiesige Lebensweise: Kloßpressen, Butterfässer, kurze Betten, niedrige Decken; der Strohhut streift das Gebälk. Immer wenn der Museumsleiter kurz nicht kann, es sind noch andere Besucher da, übernimmt Bernd – er könnte hier auch ohne Probleme arbeiten, denke ich.