Sommertag, Gewitter

Am Morgen liegt bereits ein Rauschen in den Bäumen, ist der Himmel überzogen von lichtem wolkenweiß.

In der Höhe stehe ich auf geschorenem Grund, gleich an der Grenze zu einem gelblich verblichenen Rapsfeld. Darin das lichte Blau der Kornblumen, das heute ein Versprechen des Regens ist. Schon liegt das ferne Land verwaschen, mit dunkelblauer Gaze überzogen. Über mir noch Sonne.

Im Gehen: Zwei Ringeltauben brechen aus der Krone einer Esche, altes, totes Gehölz fällt zu Boden. Auf sieben Meter Höhe: Ein Baumpilz, gelb und braun, groß wie ein halber Fußball.

Ein kurzer Regenschauer geht nieder. Danach – die dunkle Wolkendwand steht stumm und hoch, ein Blitz zuckt, noch ohne Grollen. Kaum fliegen mehr Vögel – dafür durchpflügen die Insekten den Luftraum in wildem, aggressiven Taumel; die Grillen zirpen beinahe ununterbrochen.

Reger Verkehr auf der Straße. Wind kommt auf. Es summt in den Transformatoren der hohen Überlandleitung. Das Kamillefeld liegt abgeernet in dunklen Gelbtönen, die Stoppeln und Borsten wirken wie ein Fußabtreter aus Stroh.

Endlich wird die Luft kühler, schweres Grollen rollt über das Land, der Wind bringt Feuchtigkeit mit sich. Später, das Gewitter zieht außen um Ranis herum, hört man nur ab und zu den Donner, regnet es gemächlich auf das ausgetrocknete Land.