Bachmannpreis

Der Freund und Kollege Gause hat auf seinem Blog über die eventuelle Abschaffung des Bachmannpreises geschrieben. Ich stimme ihm zu. Überhaupt erfüllen die Wettbewerbe die von ihnen teilweise beschworene Startrampen- oder Entdeckerfunktion kaum noch. Die meisten Leute, die dort antreten oder gewinnen, sind im Literaturbetrieb schon nicht mehr unbekannt, der Preis verhilft einfach zu größerer Bekanntheit und besseren Verkäufen des kommenden Buches. Nicht zuletzt kommen viele der Schreiberinnen aus Lehranstalten schriftstellerischer Kreativität wie Leipzig und Hildesheim – also die Vorauswahl der Vorauswahl. Wenn der Bachmannpreis jetzt ausfiele, dann würde vielleicht das Licht an einem Moped auf dem Karussell ausgehen, aber die gewitzten Teilnehmerinnen sprängen dann auf einen Elefanten oder das Feuerwehrauto auf – die Plattform mit den putzigen Figuren, Preisen und Stipendien darauf, dreht sich weiter.

Es gibt ja auch Argumente scheinbar ideellerer Natur: Man kann natürlich beklagen, dass Literatur aus dem Fernsehen verschwindet, dass man Sport ansehen muss oder ähnliches. Ich glaube aber, dass es gar nicht so sehr um die Verdrängung von Kultur durch irgendwelche Massenphänomene oder den Sport geht, vielmehr schiebt sich hier ein größerer Markt über einen kleineren. In gewisser Weise haben viele der Entsetzten wohl eine beinahe ideale Vorstellung von Literatur, als etwas anderem, nicht marktkonformen. Ja, wenn es nur Lyrik und Dada gäbe dort. Aber das Andere funktioniert in Klagenfurt hauptsächlich über Marktmechanismen, über Betriebskanäle und dient letztlich vor allem zur Absatzförderung der eigenen, literarischen Produkte. Institutionen wie der Bachmannpreis tragen ja zu einer Vergleichbarkeit von Literatur bei. Indem man bewertet und dann einen Siegertext kürt, holt man das Schreiben vom vermeintlichen Himmel herab direkt auf den Wochenmarkt. (Und nicht in die Stube der “einfachen Leute”!) Deshalb greift auch eine solche Verteidigung für Klagenfurt, jeder Fußbreit der Literatur, zu kurz. (Oder eher: Jeder Fußbreit unserem Absatzmarkt.)

Mir fällt einfach auf, wie sehr das Gefühl Literatur betreffend an vielen Stellen aus der Welt tritt. Wie würde man sich wehren, aufschreien, sagte einer: „Es ist doch alles das Gleiche! In Klagenfurt küren sie ihren besten Dichter, im Geflügelzüchterverein Schleiz ihren besten Züchter.“