drei | aufstehen (27.7.17)

Ranis_27.7.17 005

das bett steht an der wand, die burg selbst auf der gegenüberliegenden seite, hinter dem fenster. jetzt ist es früh, die falken noch ruhig, jemand bringt mit der motorsense das gras unterhalb der burg auf einen anderen stand. dazwischen, der morgen. viel licht, das ins zimmer, durch die fenster dringt, auch in dich dringt, dich weckt. und wind, das erste mal jetzt deutlich zu hören, unter den schindeln, in balken, und wie das für die falken ist, diese beiden jungtiere, das würdest du gerne wissen. aber noch sind sie nicht zu sehen, nicht zu hören, nur eine feder, flaumartig, klebt an der schindel, so ein anrührendes bild.

du stehst auf, machst kaffee, siedest also wasser in einem kleinen kocher, gießt es in eine tasse, gibst milch dazu, rührst mit dem löffel um, hörst diesem geräusch zu. siehst dich um, der raum entwickelt gewohnheiten, so wie du gewohnheiten entwickelst, du weißt, wo die dinge nun ihren platz haben, findest darin deinen eigenen, ihr eignet auch also an. die wege zwischen schreibtisch und bett sind kurz, ein paar schritte nur, aber ausreichend genug, um darin einen gedanken fassen zu können, vielleicht sogar einen ganzen satz, der versuch, den raum und seine aussichten zu begreifen. weit kannst du sehen. vom schreibtisch aus auf eine hügellandschaft, dunkel gesäumt, nadelwald wohl. mittig davon, parallel zum horizont, eine straße, mit spärlich gesetzter beleuchtung. das weißt du nur aus der nacht, aus jenen momenten also, wenn die lichtkegel sich ruhig durchs bild schieben, eine helle linie durch deinen ausblick ziehen. am ende deiner sicht, kleine bäume, abgetönte felder, weiter aufziehendes licht. schön ist das. so eine ruhe in allem. du öffnest das fenster, wind zieht durch den raum, zieht ein, verblättert seiten offen liegender bücher, bringt bewegung in deinen morgen. du aber bleibst sitzen, schreibst weiter.

weite ist schwer zu definieren, denkst du jetzt, auf der suche nach begriffen, für eben diese weite oder ferne, die sich im abnehmen der farbgebung zeigt, im verschwimmen von flächen und deren begrenzungen, im auflösen von konturen und im zusammenziehen deiner augen, diesem versuch, die ferne scharf zu stellen, ihr näher zu kommen. aber natürlich, das gelingt nicht, weder jetzt noch morgen, manches bleibt in der ferne, wahrt ungewisses, das nicht aufzulösen ist, zumindest für dich, »morgens, die dinge sind noch unberührt.« (jan skácel)

dann die falken. und wie weit ihre flügel reichen, fragst du dich, ihre spannbreite oder spannweite, der unterschied ist dir gerade nicht klar, aber die falken halten ihr gefieder fest am körper, wirken in sich gedrängt, in sich gezogen, diese beiden jungtiere, direkt unter deinem fenster, etwa anderthalb meter abstand, vielleicht ein klein wenig mehr. ein gemauerter vorsprung wohl, auf dem sie sitzen, unter dem dach, dann, wenn aus ihren schnäbeln die hohen töne kommen, stakkatoartig, wie schneller flügelschlag, sie nahrung einfordern, vielleicht auch zuneigung, auch das rührt dich an, ihr plusterndes gefieder, und wie sie ihre köpfe einander zuwenden, in seltenen momenten auch dir. und dann dieser moment, wenn kamera und falkenauge sich begegnen, einander fixieren, das auslösen des bilds, das einlösen einer wahrnehmung und dann die beiden falken verschwunden, aus dem bild gelöst, still ist es wieder.

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