zwei | vortasten (26.7.17)

Ranis_25.7.17 011

dein zimmer liegt oben. du gehst stufe um stufe, das geräusch alter holzdielen übertönt deine schritte. vorbei an türen, an lichtschaltern, schwarz und rund, das kennst du noch von früher, an fenstern, an vorsprüngen, an aussichten gehst du vorbei. drei oder vier stockwerke sind es, das weißt du nicht genau, trittst ein. der raum kennt dich jetzt schon ein wenig, das spürst du, still ist es. unter dir jetzt der ort, dach um dach aneinandergereiht.

später gehst du in den hof, in umgedrehter reihenfolge der ablauf jetzt, auch das drehen der schlüssel, erst in deiner zimmertür, dann in der zwischentür, schließlich die alte holztür. treppenstufen gehst du hinab, zögernd, es regnet. stark regnet es und du ziehst den kopf ein, aber natürlich, das nützt nichts, gehst weiter von einem torbogen zum andern. der grad der nässe zeigt dir die entfernung an, mal mehr mal weniger, und so langsam begreifst du, dass du nun an diesen ort bist. bleiben wirst. ein paar tage. zwischen vorburg und burg. spazierst nun, in diesem großen innenhof, ein echoraum, jetzt aber ist es ruhig, die geräusche des dorfes enden an der burgmauer. du querst den innenhof, vorbei an alltagszeichen, die auf ein jetzt schließen lassen, schilder, die aufs museum verweisen, öffnungszeiten anzeigen, dich willkommen heißen, dir zugang ermöglichen, aber jetzt nicht, und irgendwie doch, denn alle anderen sind draußen, während du in der burg bist.

vor einem der hinteren burgausgänge eine zimmerpflanze. auf dem boden stehend, ein grüner übertopf, regen rinnt durch die dunkelgrünen blätter, tropft aufs nasse pflaster, so etwas anrührendes steckt in diesem bild und du hältst es fest, nicht nur mit deiner kamera, sondern irgendetwas in dir hält daran fest, und dann gehst du weiter, hältst inne, drehst wieder um. das große burgtor noch offen. ein hohes dunkles tor, aus zwei ineinanderhängenden teilen, die man anheben, aber erst den großen haken aus der wand nehmen muss, das ist wichtig, sonst hängt das tor zu tief, schleift am kopfsteinpflaster, das tor also erst zusammenschieben, wie den herausgelösten falz eines akkordeons, und dann aufklappen, dann schließen. aber soweit ist es jetzt nicht, denn das tor ist offen und du gehst weiter durch den regen, gehst die kleine steile straße hinab, suchst die alte schmiede. gehst vorbei an häusern mit gepflegten geranien begonien petunien, pflanzen, die so etwas landähnliches verheißen, in ihren kleinen balkonkästen, eingegrenzten balkonländern, und diese länder liegen nahe und doch so fern, und du gehst weiter, den berg hinab. menschen siehst du kaum, es regnet, ein kopf bewegt sich hinter eine scheibe, du nickst, grüßt, ein schemenhafter rückgruß dann, ein zeichen, ein schönes.

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