Der Weingeist

Plötzlich war das Buch fertig. Ich musste es abgeben. Leb wohl. Ein Buch vollendet, ein Leben vollendet. Man hält es in den Händen, man schaut rein. Ich lese daraus vor. Menschen reden darüber. Und dabei macht es eigentlich am meisten Spaß, während der Lesung Wein zu trinken. Dadurch schlüpft man leichter in die Rollen, in die man schon während des Schreibens geschlüpft ist, in jede Figur, die man gelebt hat. Alle Figuren sind jetzt angeschwipst, reden laut und torkeln zwischen den leeren Stühlen und Menschen im Publikum.

Nach der Lesung brennt die Nacht vor Alkohol und ist voll von sprechenden Gesichtern. Die Worte des Mannes, der während der Lesung und auch jetzt im Auto neben mir sitzt, und der mir in den Monaten davor geholfen hat, das Buch zu schreiben – ohne die Geschichte zu verwässern – veranschaulichen treffend den Abschiedsabend vom Buch: „Die Fahrt aus Ranis nach Jena war wie eine Zeitreise mindestens 10 Jahr zurück – mit Grinderman und Rotwein durch die dunkle Thüringer Landschaft zu tuckern und dabei Mitfahrer zu haben, die bei EA80 nicht verständnislos mit den Schultern zucken. Das hat Seltenheitswert!“ Genau. Das ist wichtig im Moment. Und nicht das Schreiben, die Burg Ranis, die Falken, das tolle Essen und vor allem nicht die Militärpolizei, die mich zu diesem Buch inspiriert hat.

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