Das Labyrinth und der Melonenhut

Es roch nach einem Zitruspflanze-Putzmittel. Von der Decke hing eine Glühbirne. Die Wände waren grau und sauber. Es waren Konturen und Buchstaben eingeritzt worden, es hatte Zeichnungen gegeben, aber sie waren ausgebleicht und fast unkenntlich gemacht worden. Die Tür war ebenso grau und blank gescheuert und umrahmt von achtundzwanzig Schrauben. Keine Schlitze in den Schraubenköpfen. Der Boden mit Wasser bedeckt. Durchsichtig, sauber. Meine Schuhe waren durchnässt. Ich zog sie aus und legte mich auf die Holzbank. Mein Rücken entspannte sich, endlich würde ich einschlafen. Die Glühbirne flackerte und ich bedeckte die Augen mit dem Arm. Seit zehn Stunden in Einzelhaft. Das Trinkwasser würden sie mir bald bringen, hatte der Soldat mit der Glatze gesagt. In die metallene Toilettenschüssel in der Ecke konnte ich mich entleeren. Sie war zerbeult und verrostet. Aber kein Geruch. Der Raum wirkte harmlos. Ich dachte an nichts.

Nach zwei Stunden kam der Soldat mit dem Melonenhut rein und sagte, dass die Einzelhaft beendet war und dass meine Frau draußen auf mich wartete. Er erlaubte mir, mich zu rasieren und gab mir, zu meiner eigenen schäbigen Kleidung, ein neues Sakko, eine Krawatte und einen Melonenhut. Ich zog mich schnell an und achtete darauf, dass so wenig Falten wie möglich zu sehen waren. Ich versuchte, eine tapfere Grimmasse aufzusetzen, damit meine Frau sich so wenig Sorgen wie möglich machte wegen den blauen Flecken in meinem Gesicht und wegen der entstellten Hand. Ich übte, zwinkerte dem Spiegelbild immer wieder zu. Die zwei Militärpolizisten begleiteten mich schweigend zum Ausgang, durch die langen, vermüllten Korridore. Wir schienen im Kreis zu gehen, immer und immer wieder durch die gleichen Gänge, die sich allmählich zu einem Labyrinth verflochten. Der Durchzug fegte über den Boden und warf uns Staub in die Augen. Ich machte mir Sorgen wegen meinem Anzug. An der Ausgangstür angekommen, sagte der glatzköpfige Militärpolizist, dass er es sich anders überlegt hatte. Diesen Prozess machte ich in den nächsten Stunden drei Mal durch, und jedes Mal glaubte ich bis zum letzten Moment, sie würden mich entlassen. Beim dritten Mal teilte mir der Militärpolizist mit dem Melonenhut, als ich das Sakko zurückgeben musste, dass meine Frau im Krankenhaus lag.

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