Prärie, Kirschen

Vor einem toten Stamm, die brüchigen Äste längst verloren, stehe ich einen Moment in der Prärie. Nur von Trockenheit und Härte umgeben, der benagte Boden, das stechende, streifende Gras. Die Trockenwiese ist nicht gänzlich ohne Gehölz, noch stehen ein paar Kirschbäume, längst aufgegebene Kirschbaumruinen, mit knarzenden Stämmen und raschelnden, braunfleckigen Blättern.

Den Blick nach oben gerichtet, sinnlos Kirschen suchend, streife, taumele ich, werde erst an anderer Stelle fündig, später, finde ein paar wenige, dunkelrote, prall gespannte Früchte, die ich, springend, mit einem langen Stock zu Boden schlage, ernte, auflese, verzehre und deren Kerne ich schließlich mit aller Gewalt ausspucke, mit geformten Lippen in die Böschung schleudere.

 

2 thoughts on “Prärie, Kirschen

  1. Ist die erste Zeile nicht etwas missverständlich?
    Man könnte glauben, der Schreiber hätte die brüchigen Äste längst verloren….

    • Sie kann missverstanden werden, das stimmt. Da es sich aber nicht um einen journalistischen Text oder eine wissenschaftliche Publikation handelt, glaube ich vetreten zu können, dass hier ein Bedeutungsspielraum entsteht. Ich selbst glaube nicht, dass viele Menschen hier den Schreiber ohne Äste sehen. Stilistische Verknappungen sollten aber tatsächlich nicht zu ungewollten Ungenauigkeiten führen.

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