Große Ausfahrt – 1. Teil

Samstag fuhren wir mit den Rädern aus, Bernd und ich, er hatte mir eine solche Tour um den Stausee angeboten und ich schlug dankbar ein. Nach oben ging es gleich, wie das hier meistens so ist – durch Schmorda hindurch, später nach rechts, Richtung Gössitz. Ein glänzender Morgen, die Sonne über den reifenden Feldern, der weite Blick über das Land. Vom Bockfelsen aus die erste große Aussicht auf die Talsperre Hohenwarte. Diesem Ausblick sollten noch unzählige weitere folgen, stets noch größer, noch eindrucksvoller als zuvor. Der Blick: verwöhnt.

Hinab zum Ziegenhof, die Thüringer Wald Ziegen schauen uns neugierig durch das Gatter an, beim Melken stürmen sie den mit speziellem Futter versehenen Melkstand, wie man in Berlin einen Bus besteigt. Der Käse von Bernd kredenzt, später bei einer Rast, einem Waldfrühstück, verzehrt, mundet hervorragend. Wir fahren weiter zur Fähre, vorbei an der Linkenmühle, an der unsinnig gesprengten, bis heute nicht wieder aufgebauten Brücke; wir setzen über und radeln, schieben den steilen Berg hinauf. In Drognitz angekommen, fliegt mir der Strohhut vom Kopf. Es geht ein schöner, ganz angenehmer Wind, wir kehren ein der Flößergaststätte zum Wolf, Klöße und Sauerbraten, ein großes Radler – wunderbar.

Über die Landstraße, zwischen in der Hitze reifendem Korn, wir sehen Roggen, Brauereigerste, Weizen, an einem Wanderrastplatz mit Reckstangen vorbei (es bräuchte mehr solcher Übungsgeräte an Parkplätzen), nach Reitzengeschwenda – hier besuchen wir das Volkskundemuseum, dessen Museumsleiter umsichtig und mit Verve erklärt. Wir schauen uns die alte, schöne Dorfkirche an – in den dicken Mauern ist es angenehm kühl, achtzehn Grad. Danach eine Maschine, ein Sägegatter, zum Schneiden von Brettern, die Sägemühle bis 1990 noch in Betrieb, ein technisches Denkmal. Mancher Sägemeister war hier vormittags und nachmittags auch Busfahrer, erfahren wir. Hinter dem Museum steht eine große Scheune, darin allerlei Landmaschinen und auch Bienen. Im Hof ein großer Walnussbaum, die Blätter angenehm duftend, ätherische Öle darin, den Insekten zum Gram. Im Museum selbst, Geschichte, land- und naturkundliches, die hiesige Lebensweise: Kloßpressen, Butterfässer, kurze Betten, niedrige Decken; der Strohhut streift das Gebälk. Immer wenn der Museumsleiter kurz nicht kann, es sind noch andere Besucher da, übernimmt Bernd – er könnte hier auch ohne Probleme arbeiten, denke ich.

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