Der Falke und die Erlebnis-Gastronomie

Ich war beschäftigt mit dem Entstehen des Buchs. Zuhause in München. Im Zug durch Thüringen. Im Taxi.
Aus dem Wagen direkt in die Burg. Ich stand reglos im Dachzimmer. Vor vielen Jahren war ich einmal für kurze Zeit eingesperrt gewesen und seitdem finde ich mich gerne in ähnlichen Situationen wieder. In Verliesen und Verstecken.
Ich ging im engen Raum der Burgwohnung auf und ab und dachte, dass ich durchdrehen würde, wie Jack Torrance in „Shining“. Dann hörte ich unheimliche Geräusche auf dem Dachboden. Poltern. Schnell, absperren, den schweren Sessel an die Tür schieben. Und sich in den Schlaf trinken.
Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass ein Falke aus seinem Versteck unter dem Dach nicht mehr den Weg in die Freiheit fand. Er ließ sich helfen, weil er erschöpft war…

Verkatert, folge ich ihm, traue mich hinaus. Es gibt doch Menschen hier in Ranis. Nicht nur Katzen, Falken und Pflastersteine. Eine Frau stellt einen Kuchen vor mich hin und sagt, dass wenn ein Pärchen – egal was für ein Pärchen – sich in ihr Café setzt, entweder heiraten oder ein Kind bekommen wird.
Ein paar Meter weiter gibt uns ein Mann Thüringer Klöße und „Schmiede-Feuer“. Ich darf das Licht in seiner Kneipe anmachen, mich dabei zurechtweisen lassen und das Kofferradio einschalten, während der Falke mit einem Flügelschlag leere Bierkrüge vom Tresen fegt. Danach nimmt uns der Mann zum Feuerwehrfest mit. Ich trinke Bier, höre den Geschichten über das Verlies in der Burg zu und starre das Feuer an. Der Falke schläft auf meiner Schulter.

Am nächsten Morgen gehe ich durch den Wald spazieren und stolpere über einen Wisent. Der Falke fliegt weg. Alles ist still. Ich habe den Weg nach oben gefunden.