Spaziergang, Hunde

Am Mittag im Radio: Ein Bericht, über ein Sensibilisierungstraining in der Schule. Kinder kommen mit Hunden in Berührung, sie streicheln und füttern. Ängstliche Kinder, Kinder mit schlechten Hundeerfahrungen sollen hier ihre Angst ablegen. Sie halten den großen Reifen und die mutigeren Kinder, die Kinder ohne schlechte Hundeerfahrungen locken den Hund hindurch. Wer nicht will, der muss nicht.

Am Nachmittag in Ranis: Ich gehe eine Runde in neue Straßen, fotografiere wieder die Burg. Ich gehe über den Friedhof, gehe über den Plattenweg. Ein paar Leute sind unterwegs, viele führen ihre Hunde aus, wie die Leute es überall machen. (Bloß hier zumeist mit Leine, ein in Berlin inzwischen selten gewordener Anblick.) Am Einkaufsmarkt, an diesem Pavillongebilde, stehen ein paar Menschen, hinten auf einer Laderampe zwei rauchende Jugendliche mit weiten Jeans und großen Schildmützen. Sie stehen wie alle Jugendliche etwas geschützt und trotzdem sichtbar genug – sie werfen mir die gleichen unnahbaren Blicke zu wie jedem auf der Straße. Ein Mädchen kommt mir entgegen, die Handtasche in der Armbeuge, das Handy in der Hand, durchaus sichtbar geschminkt. Sie hat die gleiche Divenhaftigkeit aller Tage, dazu aber ein widerborstiges, ich würde fast sagen rotziges Element, so wie sie an der Zigarette zieht und dann mit weit geöffnetem Mund, geräuschvoll Kaugummi kauend den Rauch ausstößt. Zumindest erinnert sie mich an Mädchen meiner Schulzeit.

Am Ende meines Ganges, beinahe wieder angekommen, sind auf der Ecke zwei ältere Frauen, ein Kind in einem sehr pinken Schneeanzug und ein etwa genauso großer Hund. Kind und Hund Kopf an Kopf, das Kind wendet sich furchtsam ab, die Frauen beschwichtigen. „Du musst doch keine Angst haben, guck mal hier“, und schon werden, sanft und gefühlvoll Hunde- und Kinderkopf aneinandergedrückt, schnupperte die „gute alte Bella“ vorsichtig an den roten Wangen des Kindes, ist die Zusammenführung von Kind und Hund beinahe ein Naturvorgang und die Pädagogik der Großstadt vergessen.

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