Stehtisch, später Rabelais

Auf dem Altmarktfest Mittags ein paar Detscher, der gebackene Kartoffelteig ragt heraus aus einem Buttermeer, Zuckereinsprengsel darin. Ich bin sehr angetan.

Abends nochmal auf dem Platz, ein paar Bier trinkend am Stehtisch, die Worte ziehen über mich hinweg. Ich grüße, so wie alle grüßen, aber die Wärme hat mich erschöpft, ich höre wenig durch die Musik, bin und bleibe außen vor.

Ich verfolge den ersten Teil des musikalisch-komödiantischen Programms, bin aber kein Freund des Mitmachens und wo sie sich vorne über Florian Silbereisen echauffieren, nimmt die Veranstaltung doch Züge eines großen Volksmusikschlagerstadels, eingängige, populäre Melodien, Refrainlastigkeit, Zuschauerbeteiligung, an. Gerade auch das zotenhaft Derbe, die übersexualisierten platten Witze, erregen besonders das ältere Publikum – ein bisschen muss ich, nicht ob der Spaßmacher in Front, sondern wegen der Inhalte ganz allgemein an Rabelais denken und wie vielen Leuten hier Rabelais gefallen würde, weil es da auch ständig nur um das Pissen, Scheißen und Vögeln, die Derbheit, geht; aber es ist ja nichts auszurichten mit Büchern. Die Literatur trägt bei manchen Leuten einen solchen Makel, dass man ganz mit ihr gebrochen oder niemals etwas mit ihr angefangen hat.

Ich gehe, wohl zu früh, fühle ich mich doch nicht kräftig genug, noch tiefer in den Alkoholrausch zu flüchten.

 

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