Große Ausfahrt – 2. Teil

Nach einem kurzen Anstieg geht es stetig hinab zum Wasser, viele Autos parken hier, Badende in den Buchten – auch Partyvolk: dröhnend wummern die Bässe aus einem Wagen, der alle Türen von sich streckt. Wir rollen über den Asphalt, Hitze schlägt uns entgegen. Irgendwann erreichen wir die Staumauer, auf der es turbulent zugeht. Ein kleines Chaos bahnt sich an: Vorspiel zum Stausee in Flammen, einem Feuerwerksfest. Wir lassen den Tumult eilig hinter uns, wieder geht es hinauf, die Hitze ist jetzt am größten. Der Schweiß tropft von der Nasenspitze, ehe wir den Abzweig in Richtung Zeltplatz Alter erreicht haben und wieder rollen können. Die Badewiese ist voll, wir radeln weiter, baden in einer Bucht, neben dem ehemaligen Pumpenhaus. Hier wurde Wasser hinaufgepumpt, um die Felder auf den Höhen zu bewässern. Ein Projekt, das sich sozialistisch anhört und anfühlt – die Rohrleitungen sind inzwischen demontiert. Das Wasser ist sehr warm, später steht auf einmal ein Schäferhund am Ufer, einen gelben Ball im Maul. Wir lassen einander gewähren.

Wieder auf den Rädern geht es stetig hinauf, einem ausgewaschenen Pfad folgend. Zeichen der starken Frühjahrsregenfälle, Auswaschungen, Erdrutsche, sind noch überall zu sehen. Langsam kommt Erschöpfung auf, drohend umbrausen uns Insekten in den Schattenzonen des Waldes. Links und rechts des Weges finden wir Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren. Oben angekommen, entscheiden wir uns für eine Fahrt zum Mooshäuschen. Eine Schutzhütte – Bänke darin, Moos in den Wänden und kleine Köpfe – Siebenschläfer schauen uns an. Das von Bernd angebotene, ausgeschenkte Wasser wird, zumindest in unserer Anwesenheit, ignoriert. Die Tiere hängen träge aus ihren Schlupflöchern.

Danach zwei große Radler in Wilhelmsdorf, Abfahrt nach Ranis, letzte Ortskunde zu Straßen und Feldern. Bei Heroldshof stehen die großen Erntemaschinen dicht gedrängt und ruhen gerade, sie haben schon einen Streifen gemäht.

Ein Pils zum Abschluss bei Hubert, der, die Fliegenklatsche in der Hand, über einem Kreuzworträtsel sitzt. Ende des Tourentages, der Rest sind Ermattung, schwere Beine und Schlaf.

Vielen Dank nochmal an Bernd Weiße für die schöne Tour, die interessante Strecke und die guten Gespräche.

5 thoughts on “Große Ausfahrt – 2. Teil

  1. Lieber Herr Wöllecke,

    es ist mir eine Freude zu lesen, dass Ihnen mein Vater die Umgebung mit seinem Wissen und seiner Unternehmungslust auf der Radtour so nahe gebracht hat – da kommen bei mir die Kindheitserinnerungen hoch…die Ausflüge nach Reitzengeschwenda (meist mit der Westverwandtschaft) habe ich als kleines Mädchen geliebt. Und bei Sauerbraten in Thüringen hänge ich selbst mein Vegetariergemüt zeitweilig an den Nagel. Kudos für diese hitzige sportliche Leistung!

    Und beste Grüße aus Berlin von Maria Ekert, geb. Weiße

  2. Wenn ein Stadtschreiber solche persönlichen Kommentare bekommt, dann sieht man doch selbst aus der Ferne, dass er einiges richtig machen muss und dass er seinen Titel aufs Beste auszufüllen weiß. Schön!

  3. Morgen wird es wieder einen heißen Samstag geben, diesmal geht es aber im Auto nach Österreich. Eine Woche Urlaub – ohne Streß, Personal- und Terminproblemen im Hinterkopf.
    Mein Fahrrad ist seit gestern zur “Kur”. Aber nicht wegen unserer Saaletour, die nochmal gesagt auch für mich ein wunderschöner erholsamer Tag war. Das Knacken im Tretlager ist wirklich ein Schaden (…), auch die Kette ist ausgeleiert. Am 13. August soll es wieder fahren. Bis dahin liebe Grüße Bernd

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