Donnerstag

Am Morgen Schneefall und Tauwetter. Nach dem Frühstück gleich Arbeit an der Wortwechsel-Kolumne, über die ich mir am Tag zuvor den Kopf zermartert habe. Die Gardinen bewegen sich leicht über der Heizung hin und her, ich sehe im Kopf schon die Sommerschlagzeile der Zeitungen: Heizkostenexplosion, Nachzahlungen wegen langem Winter.

Tagsüber etwas Lethargie, der ausgedehnte Spaziergang bringt wenig Linderung. Viele röhrende Autos, ab und zu wummernde Bässe. Richtung Ludwigshof kann das noch kahle Gehölz nicht von der Straße abschirmen. Ein Mann wirkt, als ob er über etwas sinniert, aber er wartet nur auf seinen Hund. Ein anderer Hund pieselt gegen die Hauswand – es bleiben ein paar gelbe Flecken. Wenig Leute auf dem Gehweg – die Gruß- und Freundlichkeitsquote liegt bei etwa fünfzig Prozent. Jeder zweite ignoriert mich dabei völlig. Dafür grüßt ein Mädchen mich pflichtgemäß in den Rücken. Ich bin erstaunt und grüße stammelnd zurück. Autofahrer, männliche wie weibliche, lugen offensichtlich misstrauisch hinter den Lenkrädern hervor. Hier gibt es nur starrende Blicke und keine Freundlichkeiten.

Am Wisentgehege kauen die Tiere stumm vor sich hin. Ab und zu fällt Wisentdung. Die Autos auf der kleinen Straße rauschen ungebremst vorüber, man spürt den Luftdruck der PKWs.

In der Schmiede reiche ich Hubert mein Stammglas und lasse es des Öfteren befüllen. Es geht langsam an, ich lese Zeitung und Buch, OTZ, Koeppen, Tauben im Gras, und auf die Frage nach dem Buch antworte ich: „Nachkriegsliteratur“. Man fragt mich nach dem Dreiteiler im Fernsehen, aber ich habe ihn nicht gesehen. Später noch interessante Gespräche mit Hubert und zwei Männern aus dem Stadtrat. Morgen eventuell Preisskat. Wenn ich nicht zur langen Nacht der Hausmusik fahre.

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