Traum, Schneeballwurf
Überwältigt sein, Stadtschreibergespräch

Im Traum weißer Rauch – ich stehe im entscheidenden Moment vor der richtigen Tür (es ist die Tür, die ich in der Tagesschau gesehen habe) und wundere mich selbst darüber, wie ich als Unbeteiligter so nahe vor der Türe stehen kann und selbst als das Sicherheitspersonal kommt, stellen sie sich nur neben mich. Aus der Tür kommen immer mehr Leute, aber der entscheidende Mann ist nicht dabei, erst später sehe ich ihn oder ich sehe ihn nicht, das mag der Traum nicht ganz entscheiden. Auf jeden Fall ein Mann aus Südamerika. Mal sehen, ob ich bald als neue Krake, als Raniser Stadtkrake, durchgehe. Zumindest werde ich bei Wikipedia wohl kaum als Ehrenbürger in Spanien auftauchen.

Nach kurzem, informativem Pressegespräch am Mittag im Vorfeld des Stadtschreibergespräches am Abend stapfe ich in den Hof, das Auto für die Fahrt zur Buchmesse in Leipzig freizulegen und es ist tatsächlich nicht wenig Schnee, so dass ich schließlich mit schwerem Gerät (Straßenbesen) vorsichtig zu Werke gehe (der Lack!) und erst hernach mit dem Handfeger darüber gehe mit weichem, feinen Haar. Glücklicherweise hatte ich am Montag ja die Scheiben schon freigekratzt.

Auf dem Weg zum Bäcker, der Sahnewindbeutel ist die Zigarette des Nichtrauchers, stehen zwei Jugendliche am Wegweiserrund vor Sparkasse, Burgcafé und Feuerwehr. Ich stelle fest, dass sie mich vor ein paar Tagen beim Mittagsschlaf gestört haben, da ich abwechselnd ihr Kreischen, Lachen und diverse Autohupen hörte. Auch damals lag Schnee und ich vermute auch damals warfen sie Schneebälle auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Sie gehen es recht geschickt an, wenn ein Auto langsamer fährt, fast anhält und sie gerade mitten im Wurf sind, zielen sie dynamisch darüber hinweg auf das vermeintlich harmlose Ziel einer freudigen Schneeballschlacht. Ich mahne sie nicht, denn ich bin ja nur Stadtschreiber. Zudem erinnere ich mich gut an das Jahr 94, es kann auch 93 oder 95 gewesen sein, in dem ich, selbst zu einer Gruppe gehörend, dem Schneeballwerfen zusah oder auch assistierte. Ich weiß nur noch, dass ich hinterher beteuerte, nur dabei gewesen zu sein und dann zu hören bekam: „Mitgehangen, mitgefangen.“ Es waren nämlich einige Schneebälle auf verschiedene Autos, ein Bus war auch dabei, niedergegangen, als eines der Autos anhielt, der Fahrer ausstieg und auf uns zurannte. Wir gaben Fersengeld, konnten ihn aber nicht abschütteln, gelangten in den Hof, in dem ich damals wohnte, und suchten klingelnd bei einem Nachbarn Schutz. Da hatte uns der aufgebrachte Autofahrer, ein junger Mann, schon an den Krägen und nur dem Zuspruch des Nachbarn war es zu verdanken, dass er wieder von uns abließ. Schnaubend zog er von dannen und wir warfen danach wohl keine Schneebälle mehr auf Autos. Woran ich mich aber noch gut erinnere waren die Worte des Nachbarn: „Da habt ihr Glück gehabt, dass ich hier war. Das war der amtierende Karatemeister von 94“ (oder 93, 95).

Nach den Schneefällen liegt der Himmel nun frei, changiert zwischen Blau- und Rottönen, ganz ungleichmäßig über die Fläche gegossen. Direkt über einer letzten dunklen Wolke wirkt der Himmel heller – der Schnee liegt weiß und frisch. Ich mache noch einen langen Spaziergang, wieder über Linden- und Windmühlenstraße. Der Blick reicht weit, in Richtung der Burg liegen die Farben nun geschichtet am Himmel, grau, rot, blau. In entgegengesetzter Richtung hängen noch die schweren, dunklen Wolken. Ab und an werfen die Straßenlaternen orange Lichtpunkte in den Schnee, ich gehe, bis ich etwas abseits, beim Roons-Stein, in der Dunkelheit stehe. Da überkommt mich wieder das Gefühl der Jugend, diese große gewaltige beeindruckende Einsamkeit unter dem Nachthimmel, die völlige Zufriedenheit mit den Dingen, dieses Einverständnis mit der von den Zeugnissen menschlicher Kultur völlig durchsetzen Landschaft, die am Ende doch eine Art von Natur ist.

In der Schmiede berichte ich von mir – und über die Fragen gelangen wir zu allgemeinen Fragestellungen der Kultur und des Lesens, wir reden über E-Books und den Buchhandel, es ist eine angenehme Debatte, wenig von felsenfesten Argumenten durchzogen (man könnte es, die Burg über den Köpfen, ja denken) und überhaupt ein angenehmer Abend. Es wird nicht allzu spät und auch dies gefällt mir recht gut, falle ich doch sonst schon aus dem Rahmen wenn ich gegen 3 Uhr nachts nach Hause will. Das Rosenpils habe ich schon sehr gern und ich habe keinerlei Kopfschmerzen davon, was damals in Jena, im Rosenkeller, häufig der Fall war. Und zuletzt: Mein Traum ist wahr geworden. Südamerika ist Papst. Ich weiß nicht, was ich als nächstes orakeln werde. Mit den Lottozahlen (Stand: Mittwoch) hat es wieder nicht geklappt. Aber was sollte man auch mit dem ganzen Geld anfangen?

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