Neues Rad, Wernburg
Die Qual des Gebäcks, Katzentraum

Der Tag begann mit einer Ausfahrt des Autos, der Dreck und das Salz mussten runter. Nun fahre ich gerne bei Globus in die Waschstraße oder nutze SB-Waschanalagen, konnte aber nicht herausfinden, ob es eine in der Nähe gibt. Mir ist bei der Enge vor den Einzelwaschplätzen nicht wohl. Ich gondelte ein bisschen herum, das kann der maschinisierte Mensch ja, besah mir die Waschmöglichkeiten der verschiedenen Tankstellen und stand dann bei Shell in der Schlange. Ich habe Zeit und Sprit vertändelt und sicher nicht die beste Entscheidung getroffen, aber ich kann mich so als menschlich per se, nämlich als fehlbar, fühlen und das Auto ist auch sauber.

Nachdem ich in der Fahrradbude Ranis glücklich mein neues Rad in Empfang genommen, wir einen Schwatz gemacht hatten, fuhr ich über das Pflaster einer Einbahnstraße und schaute mich immer, das Rad drohte zu kippen, nach hinten um, ob auch niemand käme mit dem Auto. Das ist so eine meiner Sorgen, das ich der mobilen Freiheit im Weg sein könnte. (Weitere Erläuterungen dazu in meiner Wortwechsel-Kolumne) Ich hielt dann an der Seite an und stellte den Sattel etwas höher. Diese Sattelsache kam über mich, wie die Glühbürne über Edison (so stelle ich mir das zumindest vor, ohne den entsprechenden Wikipedia-Artikel gelesen zu haben) – ich fuhr ein paar Jahre in der Dunkelheit meiner stets erschöpften, ausgelaugten Beine, ehe ich erkannte, wie kraftsparend man vorankam, mit einem höher eingestellten Sattel. (Ob ich diese Erfahrung allerdings selbst machte und die Lösung des Problems somit in meiner Hand lag, weiß ich nicht mehr zu sagen). Ich fuhr durch das Gewerbegebiet über den Parkplatz von Papilio und Ludwigshof gen Wernburg, denn ich hatte diesen Ort dem Namen nach noch in Erinnerung aus einer der letzten Sommerwerkstätten. Ich rollte frohgemut dahin, das Tauwasser plätscherte, wie aus den letzten Einträgen reichlich bekannt, neben der Straße dahin. Es war ganz schön im Ort, wenige Menschen standen bei ihren Häusern. Ich studierte die Aushänge, ich blickte in Richtung einer Kirche und später fand ich noch eine viel kleinere, eine Art Kapelle, auf einem schmalen Grundstück, eine Mauer dahinter, ein mäßig verwitterter Zaun davor. Ich balancierte auf meinem Rad und schaute das Gebäude an, ein Mann in meiner Nähe schloss sein Hoftor, eine Frau lud mit ihrem Sohn Einkäufe aus dem Auto. Auch in Wernburg sah ich einen Lebensmittel- und Getränkeladen, der geschlossen war wie alle Läden um die Mittagszeit, nämlich immer dann, wenn ich meine Runden drehte. Ich ließ mir noch ein wenig die Sonne auf das Haupt scheinen, fuhr dann keuchend hinauf, denn rückwärts stieg der Weg an. Einmal sah ich einen Greifvogel, der Kollege Gause hätte ihn wohl identifizieren können, er war hellbraun, kaffee- fast sandfarben. Ich stand und sah ihm nach. Gleich darauf donnerte ein schwergängiger Geländewagen an mir vorüber. So eng sind manchmal Natur & Technik verbunden! Zurück über den Parkplatz, über das Gewerbegebiet, über eine Straße, parallel zur erst genommenen Einbahn (ich bin in solchen Dingen tageweise Traditionalist) fuhr ich nach Hause, noch kurz beim Bäcker vorbei, hatte schon Apfeltasche und Pfannkuchen ausgewählt, als der Kirschsahnering ins Gespräch kam. Oh schnödes Leben, wie schonst du einen nicht mit deinen Verlockungen! Mit einer Spur Betrübnis verließ ich, meine Tüte in der Hand das Geschäft, der Kirschsahnering blieb hinter dem Vitrinenglas allein zurück, vielleicht, ich hoffte es, im Gespräch mit den benachbarten Windbeuteln und Sahneeclairs.

In der Wohnung rumpelte der Magen und ich kam ihm mit einem guten Mittagessen bei. Dann las ich, diesmal nur kurze Nickerchen zwischendurch, die Nacht hatte ich gut geschlafen, nur eine rollige Katze mauzte gegen sechs in der Frühe. Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Arbeit an einer Erzählung.

//Nachtrag: In der Nacht zum siebten März trieb sich die Katze wieder um und schrie laut in meinen Traum hinein, in dem ich eben wieder ausfuhr.

Die nächtliche Ausfahrt des Stadtschreibers
Quelle: gemeinfrei/Wikipedia

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