Rundgang bei erstem
schönen Wetter

Schon beim Aufwachen helle Flecken im Zimmer, der Blick aus dem Fenster: der Himmel blau und weit. Ganz angenehm ist dieses erste Frühlingswetter, aber stets auch ein mahnendes Zeichen, ein gehobener Zeigefinger für den drögen Schreiber in seiner Kemenate. Man denkt, dass es draußen so schön ist, dass man ganz und gar nicht drin bleiben dürfe. Dann findet man aber, dass man drinnen mehr zu tun hat. Und schließlich geht es doch hinaus, eigentlich ohne Lust und doch weiß ich, dass die Freude später kommen wird.

Die Gehwege liegen hell und klar, überall tropft es, rutscht der Schnee. Oben, in der Windmühlenstraße, merke ich den Wind, der Wind der von den Feldern her kommt und mit sich das Läuten der Schulglocke, das Krähen eines Hahns und die Geräusche fahrender Autos bringt. Ich finde einen Stein, auf dem ein Gedicht über Ranis eingraviert ist. Es gefällt mir und könnte teilweise sehr gut als Motto meiner geplanten Erzählung dienen. Ich biege an dieser Kreuzung wieder in Richtung Ranis ab, laufe nach unten. Unten gurgelt der Bach, überhaupt ist das Rauschen, Tröpfeln und Gurgeln von Wasser allgegenwärtig. Auf dem Weg zur Burg hinauf, ich will sooft wie möglich hinauf laufen, dies hält in Schwung, begegne ich einer roten Katze, die mich kaum vorbei lässt, so gern will sie gestreichelt werden. Natürlich kraule ich ihr Kopf, Ohren und Bauch und steige dann weiter hinauf. Ein bisschen bleibe ich oben an der Mauer stehen, schaue über den Ort und die Felder. Der Blick ist mir noch gut aus dem Sommer in Erinnerung, als wir uns an Landschaftsbildern auf der Burg versucht haben.

Später gehe ich zurück nach unten, hole mir etwas vom Bäcker, drehe noch eine große Runde. Ab und zu schippt jemand Schnee, ein Hund bellt hinter dem Tor und als er verstummend seine Schnauze unter dem Tor hindurchschiebt, höre ich ihn noch Keuchen und Atmen. Vom Gewerbegebiet kommend laufe ich durch eine Siedlung meist neuer Häuser und sehe von hier die Burg wieder in einem ganz anderen Licht: als etwas, das eben da ist, das auch dazu gehört. Hier stehen die Häuser für sich, sie sind abgegliedert von den winkligen Häusern die man sich kaum anders vorstellen kann, als dass sie sich unterhalb der Burg an den Felsen pressen.

2 thoughts on “Rundgang bei erstem
schönen Wetter

  1. Lieber Christian,
    dein Landschaftsbild in Wasserfarbe aus diesem Sommer habe ich fein säuberlich in meinem Malblock – glaube ich.
    Wie lange schreibst du denn in Ranis?
    Viele Grüße aus Strasbourg,
    Sarah

    • Hallo Sarah,

      bin noch bis Anfang April vor Ort und dann wieder ab Juni, zu den Literaturtagen, bis Mitte/Ende August. Dann werde ich den Burgblick sicher auch noch mal für das ein oder andere Bild nutzen. Im Schwung der ersten Ankunft habe ich Pinsel, Farben und Papier erstmal zu Hause gelassen.

      Viele Grüße nach Strasbourg

      Christian

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