Zwischenstand, Notizbuch

Die erste Erzählung für den Stadtschreiberband ist bereit für das Lektorat, in das Manuskript wird es im Rahmen meiner Lesung bei den Thüringer Literaturtagen auf Burg Ranis (23.06., 11:00Uhr) und beim nächsten Stadtschreibergespräch (Termin folgt) Einblick geben. Die zweite Erzählung konzipiere und schreibe ich gerade – hier eine Seite aus meinem schönen (wirklich buchartigen) Notizbuch:

Eine Seite aus dem Stadtschreiber-Notizbuch: Konzeption einer Erzählung

Eine Seite aus dem Stadtschreiber-Notizbuch: Konzeption einer Erzählung

Baugrube, Atomium
Erste Aufzeichnung vor Ort

Die Nacht bringt guten, erholsamen Schlaf – am Morgen schreit wieder die Katze unter dem Fenster. Aber es geht nicht lange, ich drehe mich um und schlafe noch ein wenig weiter. Nach dem Aufwachen greife ich nach Platonow und lese in der Baugrube. Ich habe schon ein paar Anläufe unternommen, bin in der Lehmigkeit des Textes stecken geblieben. Aber nun, direkt nach der Nacht, der Kopf ist noch frei von allem außer den letzten blassen Traumbildern, komme ich zunehmend besser voran – befreunde mich mit der Absurdität, der Ziellosigkeit, der Rätselhaftigkeit des Textes; mit all der Lethargie darin, mit den fahlen und doch knisternden, eindringlichen Bildern. Die Unzugänglichkeit des Textes bewahrt sich hier ihre Wirkung, verstärkt den Reiz. So wie viele vielleicht Kafka lesen (oder ihn, weitgehend ungelesen, wohl so verstehen wollen).

Später leiere ich Gabi ein paar Tassen Kaffee aus dem Kreuz, esse serbischen Bohnensalat, Butter und erst später Haferschleim. Im Kulturradio kommt Atomium von Karl Bartos. Der Moderator verweist auf die Nähe zu Kraftwerk. Das ist mir gleich. Aber die Musik ist mir trotzdem ganz angenehm, sie fühlt sich an wie etwas ältere, klassische Überlegungen zu Science-Fiction und ich muss an Stanislaw Lem denken. Und zwischen drin an auch an den Weißen Hai oder einen ähnlichen Horrorfilm.

Bis zum Mittag Arbeit an der Erzählung, auch danach zieht es mich nochmal zum Schreiben. Anschließend folgt der beinahe tägliche Spaziergang. Ich empfinde große Ruhe oben über Ranis, höre nur das Zwitschern der Vögel und der Wind geht kräftig. Einzelne Regentropfen fallen so unregelmäßig wie der Schnee das Gras freigibt. Ein Vogel schnarrt, aber ich kann ihn nicht finden.

Der Regen nimmt zu über der großen weißen Schneefläche, ich gehe weiter und die Straße ist mehr und mehr mit kleinen, dunklen Flecken überzogen. In Richtung Stengel fällt mir auf, dass eine Straße An der Platte heißt, mir kommen natürlich gleich Plattenbauten in den Sinn, die es an dieser Stelle aber nicht gibt. Dafür eine schöne dunkle Plakette am ersten Haus, darauf in goldenen Lettern An der Platte 1. Am Ende der Runde Besorgungen: Fleischer, Post, Bäcker, Burg. Sehr nette Unterhaltungen, sehr viel Freundlichkeit, sehr angenehm – das alles hier.

Erste Notizen – leider lässt das alte Kameramodell Schärfe vermissen, ein Scanner zum Hausgebrauch ist nicht zur Hand

Erste Notizen – leider lässt das alte Kameramodell Schärfe vermissen, ein Scanner zum Hausgebrauch ist nicht zur Hand